Zwischen schlaflosen Nächten und Gottes Wundern

Hallo alle zusammen!
Ich melde mich wieder zurück, um von dem wunderschönem November zu berichten.

Am Anfang diesen Monats hatte ich die Möglichkeit, in meiner Gemeinde ein wenig über die Unterschiede zwischen einer australischen und einer deutschen Gemeinde zu berichten und speziell über die Unterschiede zwischen der Baptisten Gemeinde, in der ich hier bin, und der Andreas Gemeinde. Da ich aber einen Blogbeitrag zum Thema „kulturelle Unterschiede“ geplant habe und dieser Eintrag durch zwei Erlebnisse diesen Monats schon mehr als gefüllt ist, werde ich das Resultat dieses Vergleichs in den nächsten Blog einfließen lassen.

Ich erzähle in meiner Gemeinde über die Unterschiede zwischen deutschen und australischen Gemeinden. mehr dazu im nächsten Blog.

Eine schlaflose Nacht

Ein spannendes Erlebnis diesen Monat war der Abschlussball meiner Schule. Da wir hier in Australien ja umgekehrte Jahreszeiten haben, endet die Schule auch am Ende des Jahres, um im Dezember/Januar Sommerferien haben zu können.
Ende November gab es hier also den Abschlussball für den 12. Jahrgang (es gibt hier nur 12 Jahrgänge). Der sieht hier ein wenig anders aus, als daheim. Um 7:00 Uhr morgens gab es in der Schule ein Frühstück für den ganzen Jahrgang mit den Eltern und den Lehrern zusammen. Danach gab es eine Entlassungsfeier, in der der Abschlussjahrgang ihre Zeugnisse und besondere Auszeichnungen bekommt und bei der die ganze Schule dabei ist. Auch wir waren Teil dieser Zeremonie. Was mir besonders auffällt ist, dass hier in der Schule alles sehr viel seriöser ist. Egal ob es die Schuluniformen oder eben solche Veranstaltungen sind. Nach der Zeremonie hat die ganze Schule einen Menschentunnel vor dem Ausgang der Festhalle gebildet, der um das ganze Schulgelände ging. Die Schule nennt das den „Walk of Honor“ und er ist dafür da, um die Schüler, die die Schule verlassen, zu ehren und zu verabschieden. Ich fand diese Geste sehr schön und bewegend. Der Nachmittag ist dann dafür da, um sich fertig für den Ball zu machen. Am Abend kommt dann jeder Schüler, mit seinem Date in einem luxuriösem und außergewöhnlichem Auto vor die Festhalle gefahren, wo Freunde, Familie und Mitschüler am roten Teppich auf die Abschlussschüler warten, um sie mit Applaus in Empfang zu nehmen. Für einen Augenblick habe ich gedacht, ich wäre in Amerika und nicht in Australien…
Während die Schüler bei ihrem Ball gegessen und getanzt haben, haben wir als Pais Team in einem Gemeindehaus in der Nähe die „After-Show-Party“ vorbereitet. Dafür wurden verschiedene Hüpfburgen, eine Fotoboxen und Naschis und Getränke für die Schüler aufgebaut. Als sie dann kurz nach 00:00 Uhr in der Gemeinde ankamen, wurde weitergefeiert… soweit die Kraft reichte. Damit war das Fest aber noch nicht vorbei. Um 3 Uhr morgens ging es für die Schüler in das, eine Stunde entfernte, Byron Bay. Die Hälfte von uns Paislern ist mit den Schülern einen kleinen Berg hoch zu dem östlichsten Punkt Australiens gewandert, um dort den Sonnenaufgang zu sehen, während der Rest unten am Strand ein großes Frühstück mit Pfannkuchen und Speck für alle vorbereitet hatte. Ich habe das erste Mal einen Sonnenaufgang am Strand gesehen und es war atemberaubend. Ich fand es auch sehr schön, dass der ganze Jahrgang so einen Moment teilen konnte, bevor  jeder seinen eigenen Weg geht… auch wenn die meisten am schlafen waren 😀
Nach einem leckeren Frühstück, sind wir alle nach Hause gefahren und ich glaube, ich bin noch nie so glücklich in mein Bett gefallen… schließlich war es 8:00 Uhr morgens und ich war inzwischen mehr als 24 Stunden wach.
Es war wirklich eine schöne Erfahrung, den Schülern einfach praktisch zu dienen und alles für sie aufzubauen, aufzuräumen und mit ihnen noch letzte Gespräche zu haben. Die Schüler waren uns für unsere Hilfe sehr dankbar und haben gesehen, dass wir das alles nur machen, um ihnen einen schönen Abend zu ermöglichen. Auch wenn ich noch die nächsten Tage von dieser Nacht gut hatte, bin ich wirklich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Wir haben einen Gott, der Wunder tut!

Ein Erlebnis diesen Monats möchte ich noch unbedingt mit euch teilen. Ich durfte nämlich das erste Mal auf der Straße evangelisieren. In Australien gibt es jedes Jahr für die Abschlussschüler ein riesiges Festival direkt an der Gold Coast, das „Schoolies“ heißt. Eine Woche lang kommen tausende Schüler von überall her und feiern ihren Schulabschluss. Clubs und Bars machen extra für die Schüler auf, am Strand gibt es riesige Bühnen mit Musik und die ganze Stadt ist mit Jugendlichen gefüllt. Eigentlich eine schöne Idee, zusammen seine vergangene Schulzeit zu feiern, doch viele Schüler betrinken sich dort über die Maßen, einige wissen ihre Grenzen nicht, Drogen werden in Massen konsumiert und auch Krankenhausaufenthalte und Vergewaltigungen sind keine Seltenheit. Eine christliche Organisation „Red Frogs“ ist daher auf den Straße unterwegs, um ein Auge auf die Schüler zu haben. Die „Red Frogs“ sind ihre Ansprechpartner, sie fahren betrunkene Schüler nach Hause, machen Pfannkuchen für sie, bringen sie,wenn nötig, ins Krankenhaus und versorgen sie mit Wasser. Die Organisation machte wirklich eine super gute und wichtige Arbeit, doch da sie vom Staat unterstützt wird, dürfen die Mitarbeiter nicht direkt evangelisieren und den Schülern von Gott erzählen, wenn die Schüler sie nicht selber zu dem Thema etwas fragen.
Aufgrund dessen hat eine Gemeinde entschieden, dass sie gerne ohne die Unterstützung des Staates während des Festivals evangelisieren möchte. Eine Woche lang haben wir uns also um 19:00 Uhr abends in der Gemeinde getroffen und Lobpreis gemacht, gebetet und uns einfach auf das evangelisieren, geistig vorbereitet. Die Gemeinde, in der das stattfand, war eine sehr charismatische Gemeinde, was für mich immer noch ziemliches Neuland ist. Ich habe dort Dinge erlebt, die ich zum einen wirklich sehr cool und bestärkend fand und mir auf jeden fall in meinem spirituellem Wachstum geholfen hat, aber einige Dinge waren mir immer noch suspekt.
Um ungefähr 22:30 Uhr ging es dann los. Mit großen Schildern auf denen „Jesus liebt dich“, „Du bist erwählt“ oder „Freie Heilung“ stand, sind wir mit ungefähr 20-30 Leuten auf die Straßen gegangen. Ich war insgesamt drei Nächte dabei. Am ersten Abend habe ich vorwiegend einfach zugeschaut und geguckt, was die anderen aus der Gruppe machen. Wir waren alle zusammen an einem Ort und haben einfach die Schilder hochgehalten, uns zwischendurch in einen Kreis gestellt und einfach Lobpreis gemacht und manchmal einfach mit den Schülern getanzt und Spaß mit ihnen gehabt. Ich war so erstaunt von der Offenheit der Schüler. Viele kamen einfach auf uns zu und haben uns angeschnackt, was wir hier machen, wollten Fotos mit uns oder einfach mit uns abhängen. Sicherlich hat der Alkohol auch ihre Hemmschwelle verändert und viele haben sich auch einfach über uns lustig gemacht, aber das war ganz egal, denn viele haben dadurch das erste Mal von Jesus und seiner Liebe gehört.
Ich habe gelernt, dass das Evangelisieren vorwiegend einfach das sähen Gottes Liebe in die Herzen der Schüler ist. Oft sieht man also nicht direkt die Frucht, die daraus entsteht, aber vielleicht in ein paar Jahren werden sie sich daran erinnern, wie jemand damals für sie gebet und ihnen erzählt hat, dass jemand sie liebt.
Aber bei vielen Schülern durften wir auch direkt Gottes Güte erfahren. Ich durfte sehen, wie Schüler zu Tränen gerührt wurden, als für sie gebetet wurde, Menschen geheilt wurden und die Schüler immer vertrauerter im Laufe der Woche wurden. Am zweiten Abend hatte ich die Möglichkeit für verschiedene Schüler zu beten und mein coolstes Erlebnis war, als spät in der Nacht zwei Jungs zu mir kamen und der eine mich gefragt hat, ob ich für seinen Freund beten kann, da er sagte, dass einer aus unserer Gruppe schon für ihn selbst gebetet hat und es ihm so viel Kraft gegeben hatte. Ich hatte ein Schild hochgehalten auf dem „Freiheit von Sorgen“ stand. Sein Freund hat mich dann gefragt, ob ich für ihn beten kann, weil er frei von all seinen Sorgen und seiner Angst sein wollte. Ich war total davon begeistert, dass er einfach auf mich zukam und sich mir anvertraut hat. Er hat mir erzählt, dass er total viele Selbstzweifel hat, sich nicht geliebt fühlt und nicht versteht, warum es ihn überhaupt gibt. Nachdem ich ein mega cooles Gespräch mit ihm hatte und ihm erzählt habe, dass er nicht weiß, was für einen Wert er hat und wie unendlich geliebt er ist und was Gott für ihn getan hat, war er total begeistert und wollte immer mehr wissen. Ich habe dann für ihn gebetet und danach war er total erleichtert und voller Energie. Er hatte fast geweint und mich in den Arm genommen und mir so sehr für das Gebet gedankt. An diesem Abend habe ich auch gesehen, wie Schüler die Rückenschmerzen, verstauchte Knöchel oder Lungenschwäche hatten, geheilt wurden. Auch ich durfte für Heilung für ein Mädchen beten , dass am Rand saß und nur darauf gewartet hat, dass jemand auf sie zukommt. Sie hatte Schmerzen im Fuß und nachdem ich für sie gebetet hatte, war ihr Schmerz viel besser.
Es war einfach so cool zu sehen, dass Gott so viele Wunder vollbringt und, dass er uns dafür nutzt, damit er durch uns wirken kann. Ich habe in dieser Woche dieses Privileg total zu schätzen gelernt und mir ist auch klar geworden, dass so viele Menschen so verloren sind und auf der Suche nach Gott und seiner Liebe sind und, dass es unsere Aufgabe ist, diesen Menschen Gottes Liebe nahe zu bringen und das Geschenk, das Gott uns gegeben hat, nicht für uns zu behalten.
Mein krassestes Erlebnis, war allerdings der sechzehn jährige Ethan. Am zweiten Abend habe ich ihn kennengelernt und da er alleine war, hatte er sich oft einfach um uns herum aufgehalten. Ich habe mich viel mit ihm unterhalten und für ihn gebetet. Auch am nächsten Tag kam er wieder und auch viele andere haben für ihn gebetet. Da er Drogen genommen hatte, bin ich davon ausgegangen, dass er nicht wirklich wahrnimmt, was passiert, aber auch die nächsten Tage kam er immer wieder und mehr und mehr haben für ihn gebetet. Ein Mädchen hatte ihn dann eingeladen am nächsten Abend zu der Gemeinde zu kommen, in der wir uns treffen, bevor wir auf die Straße gehen, und er kam wirklich! Und er kam mit einem Strahlen im Gesicht und sagte: „Ich bin heute nüchtern!“. An diesem Abend hat er Jesus sein Herz gegeben und ich glaube, dass er noch nie so sehr in seinem Leben gestrahlt hat. Er ist danach mit uns auf die Straße gegangen, aber nicht um zu feiern, sondern um mit uns zu evangelisieren. Am nächsten Morgen ist er mit ein paar Leuten aus der Gemeinde an den Strand gefahren und hat sich im Meer Taufen lassen. Gott ist so gut! Nun kommt er jeden Sonntag in die Gemeinde und lernt Gott kennen. Dieser Junge hat Gott in der wohl ungewöhnlichsten Umgebung kennengelernt und sich dazu entschieden ihm nachzufolgen. Ich bin einfach so gerührt von Gottes unendlicher Liebe  für uns und für das, was er in dem Leben von Ethan bewirkt hat.

Mit solchen coolen Erlebnissen bin ich jetzt erfüllt und bereit für die kommenden Ferien im Dezember und freu mich auf alles, was ich dort erleben kann.

Falls ihr gerne für mich und meine Arbeit beten wollt, dann wären das wichtige Punkte:
– Für eine Mädchen-Mentoring Gruppe , die ich gerade angefangen habe
– Für eine gesegnete Zeit auf der Pais-Konferenz mit allen Teams zusammen im Dezember
– Für eine besinnliche Weihnachtszeit (ohne Heimweh)
– Für meinen bevorstehenden Urlaub, in dem in mit Freunden ein wenig durch Australien reise

Danke für all eure Gebete.

Habt eine gesegnete und besinnliche Weihnachtszeit,

Eure Lisa

Ein Gedanke zu „Zwischen schlaflosen Nächten und Gottes Wundern

  1. Entdecke gerade den Eintrag. Viiiiielen Dank für’s Mitteilen, Lisa. Das sind ja phantastische Nachrichten! Gottes Segen für den weiteren Urlaub – be blessed!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.